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Expertentipp

„Energieberatung deckt Schwachstellen auf“

Energieberater Marco Erlenbeck erklärt, worauf es beim energieeffizienten Wohnen ankommt und warum auch schon kleine Maßnahmen große Spareffekte bringen.

Marco ErlenbeckHerr Erlenbeck, was hat sich für Bauherren und Hausbesitzer mit der Novelle der Energieeinsparverordnung vom 1. Oktober 2009 geändert?

Die Neufassung setzt höhere Standards beim Bau und bei der Modernisierung von Wohngebäuden voraus. Sie müssen jetzt mit 30 Prozent weniger Energie auskommen als bisher gefordert. Deshalb hat auch die KfW ihre Förderprogramme umgestellt. Wer bei der KfW ein Darlehen aus den Programmen Energieeffizient Bauen oder Energieeffizient Sanieren beantragen will, muss jetzt nachweisen, dass sein Haus die neuen Werte für Jahresprimärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust (siehe Kasten rechts) erreicht.

Und wo sollten Hausbesitzer bei der Modernisierung ansetzen?

Jedes Haus ist anders. Deshalb ist es immer sinnvoll, eine Analyse von einem Energieberater vornehmen zu lassen. Er deckt Schwachstellen auf. Das Ergebnis ist dann ein Konzept, in dem alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind.

Energieberater nennen sich allerdings viele. Woran können Kunden erkennen, wer wirklich qualifiziert ist?

Die Berufsbezeichnung „Energieberater“ ist leider nicht geschützt, außerdem gibt es mehrere Bildungswege. Bauingenieure und Architekten etwa können eine Zusatzausbildung machen. Schornsteinfeger, Installateure oder Elektriker können sich zum Gebäudeenergieberater im Handwerk fortbilden und schließlich gibt es verschiedene Fachschulstudiengänge zum Thema. In jedem Fall sollten Kunden darauf achten, dass ihr Energieberater anerkannte Zertifikate vorlegen kann. Neben dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) pflegt der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Datenbank mit Ansprechpartnern, die ich sehr empfehlen kann.

Welche Investition bringt mehr für die Energiebilanz – eine neue Heizung oder eine bessere Dämmung?

Bild einer Thermografiekamera

Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich werde oft von Kunden gefragt, welche Heizung und welchen Brennstoff sie wählen sollen – und empfehle dann immer, erst mal den Dämmstandard ihres Hauses möglichst gut zu gestalten. Denn letztlich kann ich keine Holz-, Öl- oder Gaspreise voraussagen. Aber ich kann rechnen, und das ist ganz einfach: Wenn ein Haus ideal gedämmt ist, hat die Heizung einen geringen Verbrauch. Und dann fallen Preissteigerungen nicht so sehr ins Gewicht – egal, welchen Energieträger man nutzt.

EU und Bundesregierung wollen den Energieverbrauch privater Haushalte bis 2020 um ein Fünftel senken. Ist das möglich, ohne dass wir auf Lebensqualität, Wohlstand und Sicherheit verzichten müssen?

Ja, auf jeden Fall. Denn neben großen Baumaßnahmen gibt es ganz viele Dinge, die nichts oder nur wenig kosten. Oft fehlt einfach nur das Wissen darüber. Beim Duschen zum Beispiel: Durch einen alten Duschkopf rauschen pro Minute 18 Liter Wasser. Mit nur 15 Euro für einen Wassersparduschkopf kann jeder seinen Warmwasserverbrauch um 50 Prozent reduzieren. Auch die optimale Einstellung der Heizungsanlage kostet nur ein bisschen Zeit und das Studium der Gebrauchsanweisung. Und wer feststellt, dass sein Heizungskeller immer warm ist, sollte mal nachsehen, ob die Rohre mit Schaumstoff isoliert sind. All diese Dinge zusammen bringen auch schon eine erhebliche Energieeinsparung.

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Tipp

Zuschuss für Energieberatung

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert Energieberatungen mit attraktiven Zuschüssen. 300 Euro gibt es für Ein- und Zweifamilienhäuser. Gibt der Berater außerdem Tipps zum Stromsparen, zahlt das BAFA einen Bonus von 50 Euro. Thermografische Untersuchungen und Luftdichtigkeitsmessungen werden jeweils mit weiteren 100 Euro bezuschusst. Insgesamt kann sich der Förderbetrag auf mehr als 500 Euro summieren.

Zuschüsse zu einer Energieberatung für Wohngebäude können allerdings nur vom BAFA zugelassene Energieberater beantragen. Infrage kommen Ingenieure und Architekten sowie von den Handwerkskammern geprüfte Gebäudeenergieberater. Qualifizierte Berater in Ihrer Nähe finden Sie beim BAFA.

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KfW-Effizienzhaus

Das Label KfW-Effizienzhaus zeichnet Häuser mit geringem Energieverbrauch aus. Die dazugehörige Zahl gibt an, wie viel Energie ein Haus verbraucht – prozentual gemessen am Niveau eines in der Energieeinsparverordnung (EnEV) definierten Neubaus. Ein KfW-Effizienzhaus 85 etwa benötigt nur 85 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus. Ein Effizienzhaus 100 benötigt genauso viel Energie – für einen sanierten Altbau ist das ein guter Wert.

EnEV

Energieeinsparverordnung. Die EnEV setzt Standards für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Als wichtigster Vergleichswert gilt das sogenannte Neubau-Niveau. Es dient bei Sanierungen als Referenz für Jahresprimärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust, die ein vergleichbarer Neubau erreicht.

Jahresprimärenergiebedarf

Messwert aus der Energieeinsparverordnung (EnEV), der angibt, wie viel Energie pro Jahr und Quadratmeter für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung benötigt wird. Der Referenzwert für die Förderung ist das Neubau-Niveau nach EnEV. Den größten Anteil am Jahresprimärenergiebedarf hat in der Regel die Heizung.

Transmissionswärmeverlust

Bezeichnet die Wärmeenergie, die von beheizten Räumen nach außen verloren geht. Der Verlust ist abhängig von Wärmebrücken, undichten Stellen und der Wärmeleitfähigkeit des Baumaterials. Je geringer der Transmissionswärmeverlust, desto besser ist ein Haus isoliert.

 

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