Günstig modernisieren, Energieverbrauch senken
Energieeffizient Bauen mit Superzins
Familie Hahne baut ein Haus, das nur die Hälfte der Energie eines vergleichbaren Neubaus benötigt. Die KfW unterstützt sie mit günstigen Förderdarlehen.
Auf den Plänen, Zeichnungen und Computeranimationen des Architekturbüros sieht man dem Doppelhaus von Nicole und Martin Hahne aus Dortmund nicht an, was in ihm steckt: Doch hinter der weiß verputzten Fassade steckt weit mehr als bei einem normalen Neubau. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe. Damit keine Energie ungenutzt entweicht, sind Wände, Geschossdecken, Dach sowie Fenster und Türen besonders gut isoliert. Und auf dem Dach zur Südseite des Hauses erzeugen Photovoltaik- und Solarpaneele Strom und warmes Wasser. Der Aufwand lohnt sich: Dank der modernen Bauweise wird Hahnes Haus nur 55 Prozent der Energie eines vergleichbaren Neubaus verbrauchen.
50 Milliarden Euro sparen
Noch sind solche Häuser eher die Ausnahme. 40 Prozent der Energie in Deutschland werden für Heizen und Warmwasser verbraucht, vor allem in Privathaushalten, berichtet das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in seinem aktuellen CO2-Gebäudereport. „Durch energetische Sanierungen und Neubauten können wir bis 2020 bis zu 50 Milliarden Euro Heizkosten sparen“, rechnet Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee vor. Nicole und Martin Hahne werden mit ihrem Neubau rund 1.500 Euro im Jahr sparen. Zwar hat ihr Haus rund 18.000 Euro mehr gekostet als ein Standard-Neubau – gemessen am aktuellen Stand der Strom- und Gaspreise haben sie diese Differenz innerhalb von zwölf Jahren allerdings wieder ausgeglichen. „Und langfristig muss man heute ja davon ausgehen, dass die Energiepreise noch weiter steigen“, sagt Martin Hahne. „So gesehen ist ein Niedrigenergiehaus finanziell sehr attraktiv.“
Zinsgünstiger Kredit
Auch weil der 33-Jährige einen Teil der Baukosten mit einem zinsgünstigen Darlehen der KfW finanzieren kann. Die Bankengruppe unterstützt mit dem Programm "Energieeffizient Bauen" Häuslebauer wie die Hahnes beim Kauf oder Bau eines neuen Wohnhauses mit Krediten von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit. Voraussetzung ist allerdings, dass die finanzierten Immobilien das energetische Niveau eines Effizienzhaus 55 oder 70 erreichen (siehe mittlere Spalte). Martin Hahne bereut seine Entscheidung nicht. „Uns war wichtig: wenn wir schon neu bauen, dann auch nach den neuesten energetischen Erkenntnissen“, sagt er – zumal das Paar deshalb nicht auf Wohnkomfort verzichten muss. Im Gegenteil: Ihr Doppelhaus wird in der sogenannten Ständerwerk-Bauweise aus Holzerrichtet. Der Baustoff eignet sich besonders gut für Niedrigenergiehäuser. Denn das Material leitet von Natur aus Wärme und Kälte weniger gut als Stein und Beton. Zusammen mit einer nur 15 bis 20 Zentimeter dicken Isolierung bleibt das Haus deshalb im Winter gemütlich warm und im Sommer angenehm kühl. Außerdem ist Holz ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff.
Niedrige Nebenkosten
Die eine Hälfte ihres neuen Heimes werden die Hahnes selbst bewohnen, die andere wollen sie vermieten. „ Einen Mieter zu finden, sollte kein Problem sein“, sagt der Bauherr zuversichtlich. Schließlich seien auch für andere die geringen Nebenkosten sehr attraktiv. Schützenhilfe bekommt Hahne außerdem von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena). Seit Herbst 2009 zeichnet die dena sparsame Häuser mit dem Qualitätssiegel „Effizienzhaus“ aus, das sie zusammen mit der KfW und dem BMVBS entwickelt hat. Hausbesitzer erhalten das Label auf einem kleinen Hausschild, wenn sie die Sparsamkeit ihrer Immobilie nachweisen. „Mit der neuen Marke ‚Effizienzhaus‘ machen wir energieeffizientes Bauen einfacher und transparenter“, erklärt dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Auch Martin Hahne wird so ein Schild neben der Hausnummer anbringen. Damit künftig jeder erkennt, was tatsächlich in dem weißen Doppelhaus steckt.
