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Start-up-Finanzierung

Mit Handywerbung zum Erfolg

Die Bamberger Blue Cell Networks GmbH revolutioniert das Marketing: Via Hotspots an ausgewählten Standorten können Bluetooth-Handynutzer Dateien auf ihr Mobiltelefon laden. Großkonzerne wie Nike oder Nokia haben die neue Form der Werbung bereits für sich entdeckt.

Keine Frage: Das übergroße Konterfei der portugiesischen Chartstürmerin Nelly Furtado, mit dem das Download-Portal mp3.de und die Plattenfirma Universal Music im März 2007 in der Kölner City für den Start des neuen Furtado-LongplayersLoose“ warben, war ein echter Blickfang. Dass manch jugendlicher Fan ein wenig länger vor den Citylight-Plakaten verweilte, lag aber nicht allein an der verführerischen Pose des Popstars, sondern auch am Plakatslogan: „STOP! Hier kostenlos per Bluetooth auf Dein Handy!“, lautete unmissverständlich die Botschaft.

Passantin steht mit Handy vor Bluetooth-fähigem Werbeplakat

An fünf ausgewählten Standorten in der Domstadt wurde auf diese Weise Furtados neue HitsingleSay it right“ zum Download angeboten. Wer mit einem Bluetooth-Handy unterwegs war, konnte sich die Musikdatei direkt vom Plakat auf das eigene Mobiltelefon laden. Möglich wurde diese innovative Form der Handywerbung durch die „beamzone“-Technologie des jungen Bamberger Start-up-Unternehmens Blue Cell Networks GmbH (BCN). Ein Quantensprung in der Nutzung des Mobiltelefons als Marketing-Kanal: Die Zeiten der schlichten SMS-Werbebotschaften gehören damit der Vergangenheit an.

Werbung ohne Streuverluste

Mit der „beamzone“-Technologie können Außenwerbeanlagen, Messestände oder Ladenketten mit einer Datentankstelle für das Bluetooth-Handy ausgerüstet werden. Dass intelligente Handywerbung gefragt ist, bewies die Kölner Kampagne: Innerhalb einer Woche wurde der aktuelle Furtado-Hit 4000 Mal auf ein Handy überspielt. Mehr als 14.000 Passanten hatten die Bluetooth-Funktion an ihrem Mobiltelefon aktiviert.

„Das Handy ist der persönlichste aller Werberträger“, weiß BCN-Geschäftsführer Rainer Rother. Die direkte Ansprache – generell nur mit Einverständnis des Kunden – verspricht effiziente Zielgruppenwerbung ohne Streuverluste. Die Zukunft, ist sich Rother sicher, gehört deshalb intelligent verpackten Werbebotschaften. Wer auf Inhalte mit Nutzwert setzt – seien es Musikdateien, Filmtrailer, Handygames oder werbegesponserte Nachrichtenangebote –, hat dank „beamzone“ den direkten Draht zur jungen Handygeneration.

Mittlerweile Marktführer

Das junge Bamberger Unternehmen zählt zu den Pionieren des modernen Handymarketings. Neben der technischen Weiterentwicklung, der Implementierung und dem Betrieb der „beamzone“-Hotspots beraten die Marketingspezialisten aus der fränkischen Universitätsstadt auch bei der Konzeption handy- und zielgruppengerechter Kampagnen – inklusive der Produktion von mobilen Inhalten und anschließender Erfolgsanalysen. Fünf Jahre, nachdem die drei Unternehmensgründer Rainer Rother, Andreas Gaufer und Johannes Hoffmann den ersten Bluetooth-basierenden Hotspot entwickelt haben, sind die Franken nun europäischer Marktführer in Hotspot-Technologien für Mobiltelefone.

„Wir sind ins Risiko gegangen, als noch kaum jemand ein Bluetooth-fähiges Handy besaß“, erinnert sich BCN-Geschäftsführer Rother. Dennoch waren die drei Mittzwanziger vom Erfolg ihrer Technologie überzeugt – so überzeugt, dass sie für die Vision der Blue Cells Networks GmbH ihre gut dotierten Festanstellungen aufgaben. Mittlerweile beschäftigen sie an ihrem Unternehmenssitz am Rande der historischen Bamberger Altstadt selbst 16 Mitarbeiter. Große Markenkonzerne füllen die Referenzliste: Der Sportschuhhersteller Nike beispielsweise setzt „beamzone“ im seinem Londoner NikeTown Flagship-Store ein und Mercedes Benz nutzte die Technologie auf dem Genfer Autosalon 2007 zur Präsentation seiner neuen C-Klasse.

Förderung durch die KfW

Bis zum ersten Markterfolg hatten die drei Jungunternehmer allerdings eine Durststrecke zu überwinden. Kunden von „beamzone“ zu überzeugen, gestaltete sich für das Start-up-Unternehmen schwierig. Zudem reichte das eigene Startkapital nicht aus, um „beamzone“ technisch weiter zu entwickeln und einen schlagkräftigen Vertrieb aufzubauen. In der Startphase halfen rund 300.000 Euro aus dem mittlerweile ausgelaufenen Förderprogramm „Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen“ der KfW. Doch schnell wurde deutlich, dass nur mit einer zweiten Finanzierungsrunde die wachsende Konkurrenz aus Europa und den USA auf Abstand gehalten werden kann. „Wir stehen unter einem permanenten Entwicklungsdruck“, erklärt Jungunternehmer Rother.

Auf dem Deutschen Eigenkapitalforum 2005 präsentierten die drei Bamberger deshalb ihren Businessplan renommierten Investoren aus ganz Deutschland. „Wir haben dort wertvolle Kontakte zu Venture-Capital-Gesellschaften geknüpft und aus den folgenden Gesprächen gelernt, wie wir unser Konzept noch besser präsentieren können. Das Deutsche Eigenkapitalforum war für uns ein Türöffner in die Welt des Venture Capital“, erinnert sich Rother, der jungen Unternehmen rät, rund ein Jahr für die Suche nach einem Investor einzuplanen. Fündig wurden die Bamberger mithilfe der regionalen Gründerinitiative „Netzwerk Nordbayern“ schließlich bei der S-Refit AG, einer Beteiligungsgesellschaft von mehr als 20 bayerischen und fränkischen Sparkassen. Auch die KfW Mittelstandsbank engagierte sich erneut bei der BCN mit Beteiligungskapital aus dem ERP-Startfonds“, ein Programm gezielt zur Förderung junger Technologieunternehmen.

Mit der Kapitalspritze kann die Blue Cells Networks nun neue Ziele anvisieren: Künftig soll die Bluetooth-Handywerbung nicht mehr nur bei einzelnen Events und Kampagnen eingesetzt werden, sondern sich als fester Bestandteil der Mediaetats großer Agenturen und Unternehmen etablieren.

 

Auf einen Blick

ERP-Startfonds

  • Für junge Technologieunternehmen in der Start-up-Phase (nicht älter als 10 Jahre) mit weniger als 7 Millionen Euro Jahresumsatz und weniger als 50 Mitarbeitern.
  • Maximal 1,5 Millionen Euro beim ersten Antrag. Bis zur Gesamtobergrenze von 3 Millionen Euro sind mehrere Finanzierungsrunden möglich.
  • Die Förderung besteht aus Beteiligungskapital der KfW und eines Leadinvestors in gleicher Höhe.
  • Der Leadinvestor bringt neben Geld auch Know-how mit ins Unternehmen ein. Die KfW beteiligt sich nicht am operativen Geschäft.
  • Leadinvestor und Technologieunternehmen stellen den Antrag gemeinsam bei der KfW Mittelstandsbank.

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Auf einen Blick

High-Tech Gründerfonds

  • Bis zu 500.000 Euro Beteiligungskapital für junge, innovative Technologieunternehmen, die vor maximal einem Jahr ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen haben.
  • 10 bzw. 20 Prozent des Kapitals müssen vom Gründer selbst aufgebracht werden. Public Private Partnership von KfW, Bund und Industrieinvestoren wie Siemens, BASF, Telekom, Robert Bosch, Daimler und Carl Zeiss.
  • Bewerbung direkt beim High-Tech Gründerfonds.

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