GründerChampions 2008
Erfolgreich gegen den Trend
Der Starnberger Bäckermeister Dr. Stephan Meier setzt gegen den Trend auf ökologische Backwaren und traditionelle Backkunst. Für sein Erfolgsrezept wurde Meier nun in Berlin mit dem zweiten Preis beim bundesweiten KfW-Unternehmenspreis GründerChampions 2008 ausgezeichnet.

Auf eine über 200-jährige Firmengeschichte kann die Bäckermeisterei Meier am Starnberger See mittlerweile zurückblicken. „Einer meiner Vorfahren war sogar Königlich Bayerischer Hoflieferant“, erzählt Firmeninhaber Dr. Stephan Meier nicht ohne Stolz. Bei so viel geballter Tradition mag es auf den ersten Blick verwundern, dass das Familienunternehmen nun in Berlin mit dem zweiten Preis beim KfW-Unternehmenswettbewerb GründerChampions und als Landessieger Bayern ausgezeichnet wurde. Eigentlich würdigt die KfW Mittelstandsbank mit dieser Auszeichnung junge Unternehmer, die ihre möglichst innovative Geschäftsidee in den ersten fünf Jahren nach der Unternehmensgründung erfolgreich in die Tat umsetzen konnten.
„Backkunst für alle Sinne“
Dass Meier das Idealbild eines innovativen Jungunternehmers verkörpert, daran ließen die Juroren allerdings keinen Zweifel. Vor drei Jahren hat sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler mit der Übernahme der elterlichen Bäckerei selbstständig gemacht. Seither befindet sich die Starnberger Ökobäckermeisterei auf Expansionskurs: Während deutschlandweit immer mehr eigenständige Bäckereien ihre Pforten schließen müssen, wehrt sich Meier erfolgreich gegen den Trend zur Billigsemmel aus der Großbäckerei. „Backkunst für alle Sinne“ – mit diesem Slogan wirbt Meier gezielt um ernährungsbewusste Kunden. Sein Filialnetz rund um den nördlichen Starnberger See hat der umtriebige Finanz- und Backfachmann seit 2005 kontinuierlich ausgebaut. Selbst in die Stadtgrenzen Münchens wagte er sich 2007 mit einem ersten Zweigbetrieb. Auch die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich: auf mehr als 100 Angestellte in mittlerweile 15 Filialen.
Gebacken wird in der Meierschen Backstube streng nach ökologischen Kriterien und, wann immer möglich, in Handarbeit. Schon sein Vater setzte auf Naturprodukte, und GründerChampion Meier hat diese Philosophie konsequent weiterentwickelt. Sein Credo: „Wir verzichten vollständig auf Vorprodukte und Fertigmischungen.“
Natürliche Zutaten statt Massenware

Während andernorts tiefgekühlte Teiglinge aufgebacken werden, um dann als „frische Semmeln“ über die Ladentheke zu wandern, lässt Meier in seiner Starnberger Backstube Brote, Brezen und Semmeln nach dem Demeter-Standard backen. Meersalz ohne Rieselhilfen, Mehl ohne Ascorbinsäure, gentechnikfreie Hefe – mit natürlichen Zutaten will er die Massenware der Industriebäcker aus dem Feld schlagen. Zum Meierschen Ökokonzept gehört beispielsweise auch, dass Rohstoffe fast ausschließlich von lokalen Erzeugern bezogen werden: „80 Prozent aus einem Umkreis von 80 Kilometern“, nennt der Jungunternehmer als Faustformel, ohne dabei zu verhehlen, dass der rasante Anstieg der Rohstoffpreise auch an seiner Bäckerei nicht spurlos vorübergeht. Doch er ist sich sicher, dass seine Kundschaft auch weiterhin bereit ist, für gesunde und traditionell gefertigte Lebensmittel ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen.
Vom Unternehmensberater zum Bäcker
So eigenwillig wie Stephan Meiers Erfolgsrezept als Ökobäcker ist auch sein Lebensweg. Dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, war keineswegs vorgezeichnet. Nach dem Schulabschluss studierte er Volks- und Betriebswirtschaft, legte Auslandsemester ein und arbeitete schließlich für eine renommierte Unternehmensberatung in Paris. „Den elterlichen Betrieb habe ich dabei aber nie aus den Augen verloren“, erinnert er sich. Der Wunsch, sich selbständig zu machen, und die hohe Identifikation mit dem elterlichen Betrieb, haben ihn schließlich bewegt, das unternehmerische Erbe des Vaters anzutreten. „Die Übernahme verlief völlig problemlos, dafür zolle ich meinem Vater noch heute Respekt“, bekennt Meier.
Der Mix aus traditioneller und ökologischer Backkunst, der Kundenservice und das professionelle Management des jungen Firmenchefs überzeugten auch die Juroren beim KfW-Unternehmenspreis GründerChampions 2008. Das Urteil der Juroren bestätigt Meier in seiner Firmenphilosophie: „Der Jury hat es gefallen, dass ich es geschafft habe, in einem als urkonservativ geltenden Gewerk innovative Ideen umzusetzen.“