GründerChampions 2008
Ordnung in der Apotheke
Mit einem vollautomatischen Lagersystem für Medikamente, das auf einer Grundfläche von gerade einmal sieben Quadratmetern Platz findet, konnte Daniel Gollman nicht nur viele kleine Apotheken als Kunden gewinnen, sondern auch die Jury beim GründerChampions-Wettbewerb überzeugen.

Beinahe hätte es Jungunternehmer Daniel Gollman gar nicht mehr geschafft, rechtzeitig zur Verleihung des KfW-Unternehmenspreises GründerChampions 2008 nach Berlin anzureisen. Doch dass der 30-jährige Hallenser nicht das gesamte Veranstaltungsprogramm genießen konnte, hatte gute Gründe: „Wir sind zurzeit völlig ausgelastet“, sagt der studierte Mechatronik-Ingenieur. Gemeinsam mit seinem Partner Iwan Zwick hat Gollmann ein neues vollautomatisches Lagersystem für Medikamente in Apotheken entwickelt und ist damit in eine Marktlücke gestoßen. Mit seiner Erfindung wurde er nicht nur GründerChampion in Sachsen-Anhalt, sondern belegte mit seiner Firma Gollmann Kommissioniersysteme GmbH auch im bundesweiten Wettbewerb den dritten Platz.
Für den verblüffenden Erfolg seiner Apothekenautomaten hat Gollmann eine einfache Erklärung parat: „Sie nehmen nur ein Drittel des Raumes ein, den die herkömmlichen Lagersysteme benötigen.“ Die Apotheker können nun ein komplettes Sortiment von 10.000 Einzelverpackungen auf einer Grundfläche von sieben Quadratmetern unterbringen – dank der Kombination eines hochflexiblen Greifarms mit einer beweglichen Rollschrankarchitektur. „Wir haben den klassischen Rollschrank automatisiert und an die Bedürfnisse der Apotheken angepasst“, erläutert Gollmann das Prinzip seiner innovativen Automaten.
Platzsparend und preisgünstig
Mit dieser Technologie überzeugte der Existenzgründer vor allem Inhaber kleinerer Apotheken. Die Automaten aus Halle sind nicht nur wahre Raumwunder, sondern zudem noch preisgünstiger als die Konkurrenzprodukte. Eine zügige Installation, die einfache Bedienbarkeit und die Möglichkeit, die Anlage jederzeit an einem neuen Stellplatz aufzubauen, schlagen als weitere Verkaufsargumente zu Buche.

Im Idealfall liefert der Automat dem Apotheker die gewünschte Ware direkt an die Verkaufstheke und erspart ihm so die lästige Suche in sperrigen Regalschränken. Die eingesparte Zeit kann er stattdessen für die Beratung der Kunden nutzen. „Die Zukunft der Apotheken liegt in frei verkäuflichen Produkten, von der Kindernahrung über Kosmetika bis hin zu Wellnessprodukten“, ist Gollmann überzeugt. „Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.“ Sein Kommissioniersystem schafft für diese Produkterweiterung den nötigen Platz im Verkaufsraum. Damit treffen die innovativen Anlagenbauer den Nerv einer von der Gesundheitsreform gebeutelten Branche. „Für die klassischen Apotheken geht es künftig darum, im Wettbewerb mit Internetapotheken und Drogerien konkurrenzfähig zu bleiben“, erläutert Gollmann. „Dabei spielen der Beratungsservice und eine größere Angebotspalette eine entscheidende Rolle.“
Automaten für Australien
Rund 90.000 Euro kostet ein Apothekenautomat aus Gollmannscher Produktion. In diesem Jahr sollen rund 50 Anlagen neu installiert werden. Nicht nur in Deutschland sorgt der GründerChampion damit für Furore. Erste Apothekenautomaten aus Halle wurden bereits nach Australien verschifft.
Auf die Geschäftsidee hatte Gollmann eine befreundete Apothekenbesitzerin gebracht, die sich über die hohen Kosten und die geringe Flexibilität der herkömmlichen Kommissioniersysteme beklagt hatte. Für die Gründung der Gollmann Kommissioniersysteme GmbH hängte der Unternehmer seinen Job in einer Schweizer Beratungsgesellschaft an den Nagel. Der Sprung in die Selbstständigkeit fiel Gollmann ebenso wenig schwer wie die Rückkehr in seine Heimat. „Für Halle sprach die zentrale Lage in Deutschland, das gute Angebot an Fachkräften und die Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Halle“, begründet Gollmann seine Standortwahl.
Gute Zukunftsaussichten
Produziert wird in den sanierten Räumlichkeiten einer ehemaligen Kaffeerösterei am Thüringer Bahnhof in Halle. Zur Einweihung des neuen Firmensitzes reiste im Mai auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff an – schließlich sind erfolgreiche Start-ups, die zudem noch Arbeitsplätze schaffen, nicht nur in Sachsen-Anhalt rar.
Gut möglich, dass zu den bisherigen 70 Jobs bald zusätzliche hinzukommen werden. Denn Gollmanns Lagersystem lässt sich auch auf Schüttgut oder Werkzeuge in der Industrie anwenden. Bei einer ersten Präsentation stieß das System bei führenden Industriebetrieben bereits auf großes Interesse. Sollten auch diese Automaten in Serie gehen, wird Gollmann künftig wohl noch weniger Zeit für Ehrungen haben.