GründerChampions 2008
Gründerpreis für die Kaltschweißer
Die Riftec GmbH ist GründerChampion 2008. Im Finale des bundesweit ausgeschriebenen Unternehmenspreises der KfW Mittelstandsbank setzte sich das junge Geesthachter Unternehmen, das seinen Erfolg einem Spezialschweißverfahren verdankt, gegen die Konkurrenz aus 15 Bundesländern durch.

Im Geesthachter Innovations- und Technologiezentrum GITZ präsentiert man gerne die Erfolge der jungen Technologieschmieden aus dem eigenen Hause. Fein säuberlich aufgereiht zieren Innovationspreise die Wände im Foyer des Gründerzentrums. Nun ist die illustre Sammlung um eine Auszeichnung reicher. Axel Meyer, Christoph Schilling und Alexander von Strombeck, die drei Gründer der Riftec GmbH, haben sich beim Unternehmenspreis GründerChampions 2008 der KfW Mittelstandsbank nach dem Landessieg in Schleswig-Holstein auch den mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotierten ersten Platz im Bundeswettbewerb gesichert. Die KfW Mittelstandsbank würdigt mit diesem Preis junge Unternehmen, die in den ersten fünf Jahren nach der Gründung mit innovativen Ideen Arbeitsplätze geschaffen haben und sich erfolgreich am Markt etablieren konnten.
Ein wenig verwundert zeigte sich Riftec-Geschäftsführer Dr. Axel Meyer bei der Preisverleihung in Berlin schon, dass die Jury – mit Vertretern aller zentralen Förderinstitute in Deutschland hochkarätig besetzt – für sein Unternehmen votiert hatte. „Eigentlich sind wir als klassischer Lohnschweißer ja ein Unternehmen aus der Old Economy“, sagt Meyer lachend. Wohl wissend, dass Gründerpreise häufig eher für visionäre Ideen aus der Biotechnologie oder der IT-Branche verliehen werden.
Einsparungen durch spezielle Schweißtechnik
In der Riftec-Produktionshalle auf dem GITZ-Gelände wird jedoch nicht auf herkömmliche Weise geschweißt. Riftec setzt stattdessen auf das weltweit bisher nur wenig verbreitete Rührreibschweißverfahren. Diese in England entwickelte Technologie stößt in der Industrie auf zunehmendes Interesse, weil es beim Schweißen von Aluminiumteilen neue Anwendungsmöglichkeiten und lukrative Einsparpotenziale verspricht. Die drei Jungunternehmer haben inzwischen selbst einen gehörigen Teil zur wachsenden Popularität des Schweißverfahrens beigetragen. „Wir haben uns sozusagen unseren eigenen Markt geschaffen“, sagt Meyer.

Das Geesthachter Gründerteam profitiert dabei von den Forschungsarbeiten, die es bis zur Gründung der Riftec GmbH im unmittelbar benachbarten GKSS Forschungszentrum betrieben hat. Schon zu diesem Zeitpunkt häuften sich die Anfragen von Unternehmen aus dem Automobilbau, der Luftfahrtindustrie oder der Medizintechnik. „Praktisch alle, die Aluminiumteile verarbeiten, waren unzufrieden mit der klassischen Schweißtechnik, insbesondere mit der mangelnden Festigkeit der Schweißverbindungen“, erinnert sich Meyer. Für die drei Ingenieure ein sicheres Anzeichen, dass sich ihr Gründungsvorhaben auch wirtschaftlich rechnen würde.
Das Rührreibschweißverfahren zeichnet sich durch eine geringere thermische Belastung der Fügeteile, eine hohe Verbindungsfestigkeit und eine gut automatisierte Prozessführung aus. Die hohe Qualität des Schweißverfahrens ermöglicht es, beim Materialeinsatz zu sparen, etwa weil die Wandstärke der Aluminiumteile drastisch reduziert werden kann. „In der Automobilindustrie und beim Flugzeugbau kommt es auf jedes Kilogramm an“, sagt Preisträger Meyer, „zum Beispiel, um den Energieverbrauch zu senken oder die Fahrdynamik zu verbessern.“
Namhafte Kunden
Mittlerweile füllen zahlreiche große Konzerne die Referenzliste der Riftec GmbH. Besonders stolz sind die Geesthachter, dass sie als Zulieferer für den Audi R8 gelistet sind. Für den prestigeträchtigen Sportwagen der Ingolstädter Autobauer hat Riftec europaweit zum ersten Mal das Rührreibschweißverfahren bei einem tragenden und crashrelevanten Bauteil eingesetzt. Seit 2006 fertigt das Unternehmen für den R8 in Serie.
Dabei hätten die innovativen Ingenieure ihren Traum von der Selbständigkeit beinahe schon nach dem Start wieder begraben müssen. Die Schweißanlage, die sie für die Produktion dringend benötigten, konnte wegen der Insolvenz des Herstellers nicht geliefert werden. „Das hat uns um ein halbes Jahr zurückgeworfen“, denkt Meyer an die schwierige Startphase zurück. Für ihren Durchhaltewillen gab es nun mit dem GründerChampions-Preis den verdienten Lohn.
