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GründerChampions 2009

Kompasshersteller hält Kurs

Magnetkompasse für die Schifffahrt haben das Unternehmen Hein & Oetting berühmt gemacht. Seit knapp vier Jahren führt nun Lars Reeder den Hamburger Hersteller für anspruchsvolle Feinwerktechnik auf klarem Kurs und hat in der Medizin- und Lasertechnik neue Kunden hinzugewonnen. Ein gelungenes Beispiel für eine Unternehmensnachfolge im Mittelstand.

Geschäftsführer Lars Reeder mit einem Kompass „Jupiter“

Lars Reeder ist zufrieden: In den modernen Fertigungshallen des Hamburger Spezialisten für Feinwerktechnik Hein & Oetting läuft auch heute wieder alles nach Plan. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der studierte Wirtschaftsingenieur, seit 2005 für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich, pflegt eine große Leidenschaft für eine perfekte Betriebsorganisation und flache Hierarchien. Zu den modernen Managementmethoden, die Reeder bei der Übernahme von Hein & Oetting vor vier Jahren eingeführt hat, gehört ein perfekt ausgeklügeltes System für einen sich selbst steuernden Materialfluss in der Fertigung ebenso wie die Einbindung der Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung.

Seine Vorstellungen von einer effizienten Unternehmensführung umsetzen zu können, war eine der Triebfedern, die in dem heute 49-jährigen vor einigen Jahren den Entschluss reifen ließen, sich um die Nachfolge eines gut eingeführten mittelständischen Unternehmens zu bemühen. „Bis dahin hatte ich in mehreren Maschinenbau-Konzernen gearbeitet und als Geschäftsführer auch angeschlagene Betriebe wieder flott bekommen“, erzählt Reeder. Die Früchte ernteten oft andere. „Eines der Unternehmen wurde verkauft und wieder Teil eines Konzerns mit komplizierten Abstimmungsprozessen, in dem für Eigenverantwortung kaum noch Platz blieb.“  Es waren Erfahrungen dieser Art, die es Reeder schließlich erleichterten, das Risiko einer Unternehmensnachfolge einzugehen.

Perfekte Betriebsorganisation und flache Hierarchien

Weniger leicht gestaltete sich indes die Suche nach einem geeigneten Betrieb. „Ambitionierte mittelständische High-tech-Unternehmen findet man selten in den gängigen Nachfolgebörsen“, musste Reeder schnell lernen. Den entscheidenden Tipp bekam er schließlich von der Hamburger Sparkasse, die die beiden Altinhaber Peter Hein und Ernst Oetting bei der Nachfolgesuche begleitete und schließlich auch gemeinsam mit der KfW Mittelstandsbank die Finanzierung der Übernahme organisierte.

Fräserei verfügt über modernste <abbr>CNC</abbr>-Maschinen für komplexe Mehrseitenbearbeitung.

„Ich habe ein funktionierendes Unternehmen mit einer guten Handschrift vorgefunden.“ Dies zu betonen, ist Lars Reeder wichtig. 1992 wurde Hein & Oetting gegründet, doch die Traditionslinie des Unternehmens im Hamburger Stadtteil Rahlstedt reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Unter dem Markennamen C. Plath erarbeitete sich die Hamburger Kompassschmiede ein beachtliches Renommee. In den 1990er Jahren ging die Marke in das Eigentum des US-Unternehmens Sperry Marine über. Die beiden leitenden Angestellten Peter Hein und Ernst Oetting machten sich darauf hin selbständig und lieferten fortan die hoch präzisen Kompass-Bauteile als Auftragsfertiger für den US-Konzern.

Umsatz und Mitarbeiterzahl verdoppelt

Seit der erfolgreichen Übernahme vor vier Jahren steuert nun Lars Reeder die Geschäfte der Hein & Oetting Feinwerktechnik GmbH. Und das mit Erfolg: Umsatz und Mitarbeiterzahl haben sich mittlerweile verdoppelt. Neben den bisherigen Produkten wie den Kugelkompassen mit ihrem formschönen Design und der Halbkugel aus feinstem Mineralglas – nach Reeders Worten wahre Statussymbole für Sportbootbesitzer –, den Kompassen für die Großschifffahrt und Komponenten für Schiffsteuerungen, hat Reeder zügig nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau gehalten.

Fündig wurde er u.a. in der Medizintechnik, wo Hein & Oetting heute für einen führenden Hersteller der Branche Druckminderer für Beatmungsgeräte fertigt. Längst hat das Unternehmen sich vom feinmechanischen Betrieb zu einem Systemanbieter entwickelt, das hochpräzise feinmechanische und mechatronische Baugruppen sowie Mess- und Prüfeinrichtungen herstellt.  Beliefert werden internationale Unternehmen aus Luft- und Raumfahrttechnik, dem Schiffbau, der Automobilindustrie sowie der Medizin- und Lasertechnik.

Hochqualitative Produkte und kundenindividuelle Dienstleistungen

Zu seinen Erfolgsprinzipien zählt Geschäftsführer Lars Reeder die konsequente Kundenorientierung. So unterhält Hein & Oetting Bauteile-Lager direkt vor Ort beim Kunden und organisiert Planungs- und Steuerungsarbeiten über dessen IT. „Für unsere Kunden vereinfacht sich somit die gesamte Logistikkette“, erklärt Reeder. Sein Credo: Mittelständler können sich heute vor allem über eine Kombination aus hochqualitativen Produkten und einem ausgefeilten, kundenindividuellen Dienstleistungsangebot im Wettbewerb profilieren.

Die Akribie und Zielstrebigkeit, mit der Lars Reeder das Projekt Nachfolge betrieben hat, überzeugte Anfang des Jahres auch die Jury des deutschlandweiten KfW-Unternehmenspreises „GründerChampions 2009“. Sie kürte den Hamburger zum Bundessieger in der Kategorie „wirtschaftlicher Erfolg“. Auch wenn dieser eher an den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens gemessen wird, ist die Auszeichnung auch eine Würdigung von Reeders Managementphilosophie, die viel Wert auf Eigenverantwortung und Weiterbildung der Mitarbeiter legt.

Schon kurz nachdem er das Ruder bei Hein & Oetting übernommen hatte, identifizierte Reeder im Unternehmen potenzielle Führungskräfte und baute in der Produktion Teams mit eigenen Entscheidungskompetenzen auf. Für die Einbindung der Mitarbeiter hat er gute Gründe: „Ich bin kein Feinmechaniker“, bekennt Reeder offenherzig, „meine Aufgabe ist es, funktionierende Strukturen für das Wachstum des Unternehmens zu entwickeln.“  So zum Beispiel durch die Einbindung des Betriebs in übergreifende Forschungs- und Innovationsvorhaben etwa in der Luft- und Raumfahrttechnik, mit der sich Hein & Oetting neues Know-how erwerben konnte, oder in der engen Zusammenarbeit mit den Hamburger Hochschulen. Mit solchen zukunftsorientierten Projekten, ist sich der „Gründerchampion“ sicher, lässt sich das Rahlstedter Unternehmen auch in der gegenwärtigen Konjunkturkrise auf Wachstumskurs halten. 

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