GründerChampions 2009
Laser für den Weltmarkt
In gerade einmal drei Jahren hat Jörg Jetter die 4JET Sales+Service GmbH auf den internationalen Märkten etablieren können. Dafür wurde er jüngst beim KfW-Unternehmenswettbewerb „GründerChampions 2009“ in der Kategorie „ technische Innovation“ als Bundessieger ausgezeichnet.

Im heimischen Alsdorf vor den Toren Aachens ist Jörg Jetter dieser Tage nur selten anzutreffen. Der Jungunternehmer sucht den engen Kontakt zu seinen Kunden. Gerade frisch aus den USA zurückgekehrt stehen nun Leipzig und das ostdeutsche Solar Valley in Thalheim nahe Bitterfeld auf dem Reiseplan. Als Spezialmaschinenbauer hat sich Jetters schnell wachsendes start-up in kürzester Zeit einen Namen als profilierter Zulieferer für die Solarindustrie machen können – einer Branche, die bis zum Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise mit Wachstumszahlen sondergleichen glänzen konnte.
Deutschland gehört ebenso wie die USA zu den technologischen Vorreitern in der Photovoltaik. Dass die Solarindustrie in den zurückliegenden Boomjahren Überkapazitäten aufgebaut hat und gegenwärtig ihre erste ernstzunehmende Konsolidierungsphase durchläuft, nimmt Jörg Jetter deshalb erst einmal gelassen. Der 4JET-Gründer teilt in dieser Hinsicht den Optimismus seiner amerikanischen Kunden. „Dort setzen alle auf den Obama-Effekt“, beschreibt er die Eindrücke seiner jüngsten USA-Reise. Denn gerade das von der neuen US-Administration geschnürte Konjunkturpaket setzt spürbare Anreize für den Einsatz alternativer Energien, und auch das größere Engagement der USA beim Klimaschutz sollte der Branche langfristig gute Perspektiven eröffnen.
So oft wie möglich bei den Kunden sein
Von einem neuerlichen wirtschaftlichen Aufschwung der Sonnenenergie will auch Jörg Jetter profitieren. In den Räumen einer ehemaligen Chipfabrik am Rande Alsdorfs produziert seine 2006 gegründete „4JET Sales+Service GmbH“ Laseranlagen, die in die Fertigungslinien der Modulhersteller integriert werden. Besonders gefragt ist die Technologie für die so genannte Randentschichtung, auf die sich der Systemanbieter spezialisiert hat.

„Der Einsatz der Lasertechnologie zur Randentschichtung geht auf eine konkrete Kundenanfrage zurück“, erinnert sich Jetter – auch deshalb versucht der Maschinenbauer so oft wie möglich bei den Kunden vor Ort zu sein. Weil in der vergleichsweise jungen Photovoltaikbranche noch längst nicht alle Produktionsprozesse optimiert sind, lassen sich so gemeinsam mit den Kunden neue Anwendungsmöglichkeiten für die Lasertechnologie finden.
Für ihren gelungenen Start wurde die 4JET Sales+Service GmbH jüngst beim KfW-Unternehmenswettbewerb „GründerChampions 2009“ in der Kategorie „ technische Innovation“ als Bundessieger ausgezeichnet. Als Ruhekissen empfindet der in Aachen lebende Unternehmer solche Auszeichnungen allerdings nicht – ebenso wenig wie seine erfolgreich in den Markt eingeführten Laseranlagen. Im Gegenteil: Jörg Jetter verblüfft mit dem überraschenden Bekenntnis: „Ich bin mir sicher, dass die Lasersysteme zur Randentschichtung schon in wenigen Jahren nicht mehr das umsatzstärkste Produkt unseres Unternehmens sein werden. Dafür wird schon der Einstieg weiterer Hersteller in den Markt sorgen.“
Deshalb setzt er gemeinsam mit seinem 25-köpfigen Team von Physikern, Ingenieuren und Betriebswirten auf den technologischen Vorsprung als Wettbewerbsvorteil und die permanente Suche nach neuen Einsatzfeldern für die Lasertechnik.
Bei fast allen führenden Reifenherstellern gelistet
Den ersten Erfolg dieser Unternehmensstrategie präsentiert der Mittdreißiger im Konferenzraum des frisch bezogenen neuen Firmensitzes: einen mit einem Laserbeschriftungssystem aus Alsdorf gekennzeichneten Autoreifen. „Wir sind mittlerweile bereits bei fast allen führenden Reifenherstellern gelistet“, erklärt Jetter nicht ohne Stolz. Schließlich gelten Autoreifen gemeinhin nicht als ein Produkt, bei dessen Herstellung noch große Innovationsschübe zu erwarten sind.
Der Clou der Alsdorfer Systemlösung liegt denn auch nicht in der Markierung der Reifen mit Seriennummern, Logos oder zusätzlichen Produktinformationen, sondern in der Kombination mit einem Lasermessverfahren, das die richtige Position des Reifens zur Beschriftung ortet. „Die Anlage erlaubt sowohl die Bearbeitung stehender als auch liegender Reifen jeglicher Größe“, so der 4JET-Chef, der von einer wachsenden Nachfrage für sein jüngstes Produkt fest überzeugt ist: „Die gesetzlichen Anforderungen an die Produktsicherheit sind in den letzten Jahren weltweit gestiegen. Individuelle Seriennummern für jeden Reifen sind etwa für Rückrufaktionen der Hersteller heute wichtiger denn je zuvor.“
Auch in der Krise gut aufgestellt
Dass die Reifenhersteller gegenwärtig in den Sog der globalen Krise der Automobilindustrie geraten sind, hat zwar auch das Wachstum von 4JET im laufenden Jahr verlangsamt und verlangt dem aufstrebenden Mittelständler mehr Flexibilität ab. Schrecken kann es den Mittdreißiger aber nicht. Erstens, weil er sein Unternehmen solide aufgestellt weiß und frühzeitig Privatinvestoren und eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft mit ins Boot geholt hat.
Zweitens weil er Flexibilität auch in seinem eigenen Leben bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat. „Eigentlich hatte ich ein Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften begonnen“, antwortet Jetter schmunzelnd, wenn man ihn nach seinem Faible für die Lasertechnologie befragt. Über das Unternehmen seines Vaters – ebenfalls im Lasermaschinenbau tätig – befasste er sich schließlich intensiver mit der Technologie und erkannte ihre Einsatzmöglichkeiten in der Solarindustrie. Bis zum eigenen Unternehmen war es da nur noch ein kleiner Schritt: „Selbst gestalten zu können und eigene Entscheidungen zu treffen – das war ohnehin ein lang gehegter Traum“, begründet Jetter seine Motivation zur Existenzgründung. Ein Einstellung, mit der sich auch Krisenzeiten leichter überstehen lassen.
