Expertentipp
„Ein guter Abschluss rechnet sich immer“
Wenn BAföG und die Finanzspritze der Eltern nicht reichen, ist ein Kredit durchaus sinnvoll, sagt Claudia Heinemann. Als Beraterin beim Studentenwerk Freiburg hilft sie jungen Leuten bei der Finanzierung ihrer Ausbildung.

Frau Heinemann, als Vertriebspartner der KfW ist das Studentenwerk Freiburg unmittelbar an der Vergabe von KfW-Studienkrediten beteiligt. In welchen Situationen empfehlen Sie Studenten, einen solchen Kredit aufzunehmen?
Das Angebot ist besonders für Studenten interessant, die kein Stipendium bekommen, nur einen geringen oder gar keinen Anspruch auf BAföG haben und deren Eltern sie wegen anderer finanzieller Verpflichtungen auch nur in geringem Maße unterstützen können. Die meisten sind außerdem Bachelor- oder Master-Studenten, deren Lehrpläne sehr straff organisiert sind, sodass kaum Zeit bleibt, nebenher zu jobben.
Anders als beim BAföG müssen Studenten den Kredit nach dem Studium in voller Höhe zurückzahlen. Ist es nicht unheimlich belastend, sich schon vor dem Berufsleben so zu verschulden?
Natürlich gibt es Vorbehalte, schließlich kommen bei einem Bachelor-Studium mit anschließendem Master schnell 20.000 bis 30.000 Euro zusammen. Aber wenn sie keine andere Finanzierung haben, sollten junge Menschen in diesen sauren Apfel beißen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, einen wirklich guten Abschluss zu machen, weil sie sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren können. Die freie Zeit in den Semesterferien können sie außerdem für Praktika oder Auslandsaufenthalte nutzen. Das zahlt sich später aus: Mit den entsprechenden Abschlüssen und Zeugnissen finden sie schneller einen Job als jemand, der 16 Semester studiert hat, weil er nebenbei kellnern musste.
Und was passiert, wenn es nach dem Studium nicht direkt mit dem Traumjob klappt?
Die KfW gewährt eine sogenannte Karenzzeit zwischen sechs und 23 Monaten, um Kreditnehmern den Berufseinstieg zu erleichtern. Das heißt, Absolventen müssen erst nach einem halben Jahr, spätestens nach knapp zwei Jahren mit der Tilgung beginnen. Wer nach dem Studium hingegen schnell Karriere macht, kann zu jedem Roll-Over-Termin (1. April/1. Oktober) kostenfreie Sondertilgungen leisten und die Schulden schneller abbezahlen als geplant.
Wie wird das Angebot bisher angenommen?
Sehr gut, wobei ein Großteil der Studenten zunächst regelrecht lernen muss, dass es nicht anders geht. Viele beantragen den Studienkredit erst mehrere Monate nach Studienbeginn, wenn sie merken, dass sie das Geld für Studiengebühren und Lebensunterhalt nicht anders aufbringen können. Wer dann im Durchschnitt 400 Euro im Monat von der KfW bekommt, empfindet das oft sogar als Befreiung.
Andererseits ist der Absolvent beim Start in sein Berufsleben finanziell belastet, weil er einen Teil seines Einstiegsgehalts für die Tilgung aufbringen muss.
Das stimmt. In der Praxis erlebe ich aber oft ein besonderes Modell: Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder während des Studiums nur mit ein- bis zweihundert Euro im Monat unterstützen können, weil sie gleichzeitig eine Hypothek abbezahlen oder mehrere Kinder haben, die in der Ausbildung sind. Dafür beteiligen sie sich später mit dem gleichen Betrag an der Tilgung des Studienkredits. Durch diese Umschichtung zahlen die Eltern zwar länger, aber ihre monatliche Belastung sinkt, und auf der anderen Seite bleibt dem Berufsanfänger etwas mehr von seinem Einstiegsgehalt.

