Refinanzierung für Mikrokredite
Hilfe für Helfer
Mikrokredite sind ein wirksames Instrument gegen Hunger und Armut. Doch auch sie leiden unter der Wirtschaftskrise. Die KfW steuert mit einem Refinanzierungsfonds gegen.

Die Finanzkrise hat sich nicht nur zu einer Krise der Realwirtschaft entwickelt, sondern auch zu einer Bewährungsprobe für die Globalisierung. Die weltweite Nachfrage ist eingebrochen, für die Industrieproduktion wird in diesem Jahr ein Rückgang von 15 Prozent prognostiziert. Und darunter, so fand die Weltbank jetzt heraus, leiden vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer. Mit einem neu aufgelegten Fonds zur Refinanzierung der Mikrofinanzinstitutionen versucht die KfW gemeinsam mit der Weltbank, diese Entwicklung zu stoppen.
Entwicklungsländer leiden
Laut der aktuellen Studie der Weltbank geht in 94 von 116 Entwicklungsländern das Wachstum zurück. Auch in den Transformationsländern Osteuropas und Zentralasiens ist die Situation prekär. Kleinste, kleine und mittlere Unternehmen leiden hierunter besonders. Sie sind der Motor für Wachstum, sie schaffen und sichern Arbeitsplätze. Dafür benötigen sie entsprechende Finanzdienstleistungen, insbesondere Kredite. Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) sind ihre wichtigsten und häufig ihre einzigen Kreditgeber. Allein die 100 größten MFIs versorgen weltweit rund 45 Millionen dieser Unternehmen mit Krediten.

Vor allem die leistungsstarken MFIs, die bereits Zugang zu internationalen Refinanzierungen haben, leiden jedoch unter dem dramatischen Liquiditätsengpass auf dem internationalen Kapitalmarkt. Genauso wie Geschäftsbanken haben sie nun Schwierigkeiten, kurz- oder langfristige Refinanzierung über Darlehen oder Anleihen zu mobilisieren, und müssen unter Umständen ihre Kreditvergabe stark zurückfahren. Dies hätte erhebliche negative Auswirkungen auf die Mikrounternehmer und damit auf Beschäftigung und Einkommen armer Bevölkerungsteile. Zudem würde der gesamte Mikrofinanzsektor unter diesem Schritt leiden.
Entlastungsfonds
Diese Entwicklung zu vermeiden, ist ein zentrales Ziel der KfW Entwicklungsbank. Sie ist mit einem Portfolio von 1,4 Milliarden Euro heute einer der größten Finanziers von Mikrofinanzinstitutionen weltweit. Aktuell unterstützt sie rund 100 Vorhaben in etwa 60 Entwicklungs- und Transformationsländern und erreicht mehr als 14 Millionen Menschen. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat die KfW gemeinsam mit der Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) den weltweit größten Refinanzierungsfonds für Mikrokredite entwickelt. Geplantes Volumen: 500 Millionen US-Dollar.

Der Fonds soll die Kreditversorgung kleiner und kleinster Unternehmer in Entwicklungsländern sicherstellen. „Wir müssen jetzt verhindern, dass diejenigen, die am wenigsten zur Finanzmarktkrise beigetragen haben, am meisten unter der Krise leiden“, sagt Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Auch Wolfgang Kroh, Mitglied des Vorstands der KfW, betont die Bedeutung des Fonds: „Die Förderung von Mikrounternehmen ist von sehr hoher entwicklungspolitischer Relevanz. Mit der Fazilität können wir eine starke Signalwirkung erzielen und dem aktuell zu verzeichnenden Rückgang der Kreditvergabe durch MFIs rasch entgegenwirken.“ Daher hat allein die KfW einen Betrag von 130 Millionen US-Dollar zugesagt, die IFC steuert 150 Millionen US-Dollar bei. In den kommenden Monaten werden weitere Investoren hinzukommen.
