Leitziel Nachhaltigkeit
Nachdrücklich nachhaltig
Ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich zu arbeiten, ist für die KfW ein fester Bestandteil ihres Förderauftrags. Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert sie schwarz auf weiß: Nachhaltig handeln heißt umsichtig handeln und alle Aspekte im Blick zu haben.

Manchmal müssen Banker nicht nur Experten für Dinge wie Volatilität sein. Sie müssen auch ein Gespür haben für Wissensgebiete wie den Vogelzug. Zumindest dann, wenn das institutseigene Leitziel der Nachhaltigkeit mehr als hochfliegende Imagepflege sein soll, die sich im Kreditalltag wieder verflüchtigt. Apropos: „Volatil“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „fliegend“, „flüchtig“.
Auftrag eingelöst
Bei der KfW ist Nachhaltigkeit eines der zentralen Leitziele. „Eine größtmögliche Nachhaltigkeit ist mehr denn je die gemeinsame Klammer aller unserer Aktivitäten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der KfW Bankengruppe, Dr. Ulrich Schröder. „Nachhaltigkeit ist expliziter Teil unseres Förderauftrags.“ Und dieser Auftrag wird auch eingelöst. Der neue Nachhaltigkeitsbericht für die Jahre 2006 bis 2008 beschreibt detailliert das Engagement der KfW für Umwelt- und Klimaschutz sowie die sozialen Aktivitäten der Bank, die heute unter dem Begriff „nachhaltiges Handeln“ zusammengefasst werden. Außerdem geht er auf Grundprinzipien und Überlegungen ein, die hinter den einzelnen Maßnahmen stehen, und beschreibt ausführlich, welche Ziele sich die KfW gesetzt hat und wie sie diese erreichen will.
Und da kommt der Vogelzug wieder ins Spiel. „Dieses Beispiel veranschaulicht, dass nachhaltiges Handeln zwar schnell versprochen ist, in der Praxis aber auch schnell kompliziert wird“, sagt Dr. Karl Ludwig Brockmann, Teamleiter Kompetenzcenter Umwelt und Nachhaltigkeit bei der KfW. „Plötzlich kommen sich bei einem Projekt Klimaschutz und Artenschutz in die Quere – und wir als Förderbank müssen einen optimalen Kompromiss für die beiden konkurrierenden Nachhaltigkeitsziele finden.“
Konkret spricht Brockmann Windparks entlang der ägyptischen Ostküste am Roten Meer an. Die ägyptischen Behörden planten in der Region rund um den Berg Gabal el Zayt mehrere Windparks mit einer Gesamtleistung von rund 3.000 Megawatt. Einen davon sollte die KfW Entwicklungsbank finanzieren. Auf den ersten Blick ein nachhaltiges Projekt – gäbe es nicht ein Problem: Ausgerechnet am Gabal el Zayt versammeln sich halbjährlich Tausende Weißstörche, Kraniche und Pelikane. Die Vogelschützer liefen Sturm: Die geplanten Windparks in dieser Dimension wären eine potenzielle Gefahr für die Zugvögel. Eine Tageszeitung sprach hierbei schon von „Storchenschreddern“.
Hausaufgaben gemacht
Die Warnung war berechtigt. Doch die Entwicklungsbank hatte sich bereits um ihre Nachhaltigkeits-Hausaufgaben gekümmert. Bei der Vereinbarung der Machbarkeitsstudie hatte sie eine umfassende Umwelt- und Sozialverträglichkeitsuntersuchung zur Auflage gemacht – mit besonderer Berücksichtigung des Vogelzugs. Das Ergebnis der ornithologischen Studie: Die südliche Zone, rund 60 Prozent der ursprünglich geplanten Fläche, sei für den Vogelzug unter Schutz zu stellen, nur eine Teilfläche im Norden könne für Windparks freigegeben werden. Im Rahmen der Vereinbarungen mit der ägyptischen Regierung wurde schließlich der Schutz des Hauptdurchzugskorridors im Süden zugesichert – ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.
