Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, eine Tochter der KfW, fördert seit 1962 Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungsländern.

Nordafrika, was nun? 0
Nach der Revolution fanden in einigen nordafrikanischen Ländern bereits Wahlen statt. Das ist ein Anfang – doch für einen nachhaltigen Demokratisierungsprozess in Nordafrika und im Nahen Osten braucht es mehr.
Die Demokratie stützen
Der Wahlsieg einer islamistischen Partei in Tunesien und der neue Ausbruch der Gewalt in Ägypten im Herbst sowie der Wahlerfolg der Muslimbrüder Anfang Dezember zeigen, dass die Entwicklung in Richtung Demokratie noch lange nicht gesichert ist. Weil dafür auch eine stabile Wirtschaft notwendig ist, fördern KfW Entwicklungsbank und DEG Energie- und Wasserversorgung, Agrarwirtschaft, Wirtschaftswachstum und Bildung – und das schon lange vor dem arabischen Frühling.
DEG
KfW Entwicklungsbank
Die KfW Entwicklungsbank finanziert rund 1800 Vorhaben in mehr als 100 Ländern. Sie hat etwa 180 Fachkräfte in ihren Büros vor Ort und stellte im Jahr 2010 allein für Projekte im Bereich Umwelt und Klima 2,6 Milliarden Euro bereit.
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Die Stimme der Revolution
"A Tunisian Girl"
Lesen Sie selbst, wie Lina Ben Mhenni die Entwicklung in ihrem Land sieht.
Zum BlogDie 28-jährige Linguistik-Dozentin Lina Ben Mhenni schreibt in ihrem mehrfach ausgezeichneten Weblog „A Tunisian Girl“ offen über die Demokratiebewegung im Land – und warnt vor allzu großer Euphorie: „Ich denke, dass der härteste Teil noch vor uns liegt. Ben Ali ist zwar weg, aber Vertreter seines Regimes haben immer noch Einfluss. Eine echte Demokratie zu etablieren, wird nicht einfach.“
Rawya Elshazly ist Mitarbeiterin des KfW-Büros in Kairo. Im Interview spricht sie über Chancen und Risiken der Revolution in ihrem Heimatland Ägypten.
Schwieriger Neuanfang
Unicef Jahresbericht
Nach dem Jahresbericht von Unicef sind 24 Prozent der Jugendlichen in Nordafrika arbeitslos, fast doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Besonders in Ägypten ist die Situation dramatisch. Hier sind mehr als 90 Prozent der Arbeitslosen zwischen 15 und 30 Jahre alt.
Zum JahresberichtDie Situation in Ägypen nach dem Sturz Hosni Mubaraks gleicht der in Tunesisien. Der Wahlerfolg der Muslimbrüder, ähnlich wie der Wahlsieg von Islamisten in Tunesien, löst international Besorgnis aus und dämpft die Hoffnungen auf eine demokratische und freiheitliche Entwicklung. In Jordanien wurde die Regierung auf Druck der Bevölkerung umgebildet, in Marokko die Verfassung geändert und in Syrien und im Jemen halten die Unruhen an. Libyen steht nach Gaddafis Tod vor einem schwierigen Neuanfang. Auslöser der Proteste war überall der Zorn über Willkür und Unterdrückung. Aber auch wegen wirtschaftlicher Probleme, hoher Arbeitslosigkeit und fehlender Zukunftschancen gingen die Menschen auf die Straße.
„Teneurs de mur“, Mauerhalter, werden sie umgangssprachlich genannt – arbeitslose Jugendliche, die keine andere Beschäftigung haben, als die Mauern zu stützen, an denen sie lehnen. Sie symbolisieren die Perspektivlosigkeit der Jugend in Nordafrika und im Nahen Osten. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung in der MENA-Region ist zwischen 15 und 20 Jahren alt.
Die Unterstützung muss so früh wie möglich beginnen, daher beginnt die Förderung schon in der Grundschule. Rund 150 Millionen Euro hat die KfW im Auftrag der Bundesregierung bereits in das Grundschulprogramm investiert. Der Film aus Qena zeigt, wie ägyptische Kinder heute lernen.
MENA
MENA steht für Middle East and North Africa, also die Region des Nahen Ostens und Nordafrika.
Engagement seit mehr als 40 Jahren
„Wir treffen in Nordafrika auf globale Herausforderungen. Es geht um mehr Demokratie, Wirtschaftswachstum und auch um Umweltschutz“, sagt Dr. Norbert Kloppenburg, Mitglied des Vorstandes der KfW Bankengruppe. Damit fasst er zugleich die Schwerpunkte des Engagements der KfW Entwicklungsbank und der DEG zusammen. Seit mehr als 40 Jahren ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in der Region engagiert. Die KfW hat lokale Büros und Vertretungen in Marokko, Ägypten, Jemen, den Palästinensischen Gebieten, Jordanien, Syrien, Tunesien und im Libanon aufgebaut. Die staatliche Zusammenarbeit mit Syrien ist zurzeit allerdings ausgesetzt, das entsandte KfW-Personal im Jemen wurde ebenfalls abgezogen.
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Jobs für die Demokratie 0
Die Länder in Nordafrika und dem Nahen Osten brauchen Hilfe beim Aufbau ihrer Wirtschaft. Dies kann über Kredite und Finanzierungen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit geleistet werden, aber auch über die Unterstützung deutscher Unternehmen, die in der Region Standorte planen.
Engagement seit Jahrzehnten
Die DEG ist ein Unternehmen der KfW Bankengruppe. Sie begleitet seit fast 50 Jahren private Unternehmen, die in Entwicklungsländern investieren wollen.
Dazu stellt sie ihnen langfristiges Kapital bereit und begleitet sie verlässlich in allen Projektphasen. So wirkt die DEG daran mit, Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen und die Lebensbedingungen der Menschen in den Partnerländern zu verbessern. Auch die KfW Entwicklungsbank fördert Arbeitsplätze in den Ländern der Region. Beispiele dafür sind die Beschäftigungsprogramme in den Palästinensischen Gebieten oder auch der SANAD-Fonds.
Pro-Kopf-Einkommen
In Ägypten beispielsweise liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bei 2450 US-Dollar im Jahr. In Deutschland sind es mehr als 40.000 Dollar.
SANAD – ein Investmentfonds namens Hilfe

IFC-Studie
Eine Studie der International Finance Corporation bestätigt den Erfolg solcher Finanzierungen: Die 15 führenden europäischen Entwicklungsfinanzierer fördern demnach mit fünf Milliarden Euro für kleine und mittlere Unternehmen im privaten Sektor weltweit jährlich rund 500.000 Arbeitsplätze. Weitere 1,3 Millionen Jobs entstehen indirekt, bei Zulieferern und Dienstleistern.
Zur Studie„Sanad" ist das arabische Wort für Hilfe. SANAD heißt auch der von der KfW Entwicklungsbank initiierte Fonds, der helfen soll, unter den noch unsicheren politischen Verhältnissen neue wirtschaftliche Existenzen aufzubauen. Denn bisher bremst vor allem der Zugang zu Finanzdienstleistungen das Wirtschaftswachstum. Kleinste bis mittelgroße Betriebe bekommen oft nicht die Darlehen, die sie bräuchten, um ihr Geschäft auf- oder auszubauen und Jobs zu schaffen.
Weil SANAD die Darlehen nicht direkt vergibt, sondern Partnerbanken in der MENA-Region refinanziert, erzielt der Fonds gleich doppelte Wirkung. „SANAD fördert auch die Weiterentwicklung der Finanzmärkte in Nordafrika und im Nahen Osten. Nicht nur die Banken selbst müssen solide aufgestellt sein, sondern auch die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Gesetzgebung“, sagt KfW-Projektmanager Matthias Zilbauer. Zwei erste SANAD-Kredite an Partner im Libanon und in Jordanien wurden bereits genehmigt.
SANAD
Der Fonds ist zunächst ausgestattet mit 20 Millionen Euro vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und weiteren zehn Millionen Euro von der Europäischen Union.
Funktionsweise des SANAD-Fonds
Die Mittel des Fonds werden an Partnerbanken und Mikrofinanzinstitutionen vergeben, die daraus Kredite an Unternehmen refinanzieren. Die Unternehmen wiederum erhalten und schaffen damit Jobs insbesondere für junge Leute. Schon kurz nach der Einrichtung des Fonds zeigt sich die praktische Wirkung: Mit den ersten Maßnahmen im Libanon und in Jordanien werden voraussichtlich mehrere tausend kleinste und kleine Unternehmen erreicht.

Erfolgreiche Investments in Ägypten

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) investieren deutsche Firmen derzeit etwa eine halbe Milliarde Euro jährlich in Ägypten und beschäftigen dort knapp 20.000 Menschen.
So hat die DEG im Jahr 2009 ein deutsch-ägyptisches Joint Venture unterstützt. Eine deutsche Firma konnte so ihr Geschäft in Ägypten etablieren und will dort mittelfristig 500 Menschen beschäftigen.
Im Jahr 2010 hat die DEG den deutschen Folienhersteller RKW beim Bau eines Werks in Ägypten begleitet. Der Mittelständler aus dem pfälzischen Frankenthal investierte mehr als 30 Millionen US-Dollar und schafft hier im Endausbau rund 100 Arbeitsplätze. Das neue Werk in Ägypten, in Sichtweite der Pyramiden von Gizeh südwestlich von Kairo, wurde am 10. November offiziell eingeweiht.
RKW
RKW ist einer der führenden Folienhersteller Europas. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2800 Mitarbeiter.
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Die Zukunft ist grün 0
Viele Experten sind überzeugt: Der Wandel in Nordafrika und dem Nahen Osten sollte für einen Einstieg in eine „Green Economy“ genutzt werden. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie die KfW diese Entwicklung bereits jetzt unterstützt. Und dabei werden ökonomische, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.
Der Wind des Wandels

Ägypten hat ein ehrgeiziges Nahziel: Bis zum Jahr 2020 soll ein Fünftel des heimischen Strombedarfs aus Windkraft gedeckt werden – auch mithilfe der KfW, die bereits die Windparks Zafarana und El Zayt am Roten Meer mitfinanziert hat. Stetige Windgeschwindigkeiten von 8 bis 10 Metern pro Sekunde machen die Region zum idealen Standort für Windkraftanlagen. Die Möglichkeiten für Sonnen- und Windenergie sind so gut wie fast nirgends auf der Welt. Mehrere 10.000 Megawatt, das ist die Leistung, die in Ägypten allein aus dem Wind kommen könnte. Sie würde reichen, um nicht nur ganz Ägypten mit Strom zu versorgen, sondern auch noch Energie in die Nachbarländer und sogar nach Europa zu exportieren.
Auch Marokko ist ein Beispiel dafür, dass ein enormes Potential an Solar- und Windenergie bislang ungenutzt bleibt. Das Land stillt seinen wachsenden Energiehunger bislang vor allem durch Importe teurer fossiler Energieträger.
Die KfW Entwicklungsbank unterstützt den Ausbau der Energieerzeugung durch Wind, Sonne und Wasserkraft. Über die Möglichkeiten erneuerbarer Energien spricht Wolf Muth, KfW-Projektmanager Energie in der MENA-Region.
Zafarana
Der Windpark an der ägyptischen Küste des Roten Meeres umfasst 700 Windräder.
Schutz für Zugvögel
Der Windpark El Zayt am Roten Meer ist ein europäisches Leuchtturmprojekt, das die KfW Entwicklungsbank mit einem Darlehen von 192 Millionen Euro mitfinanziert, mehr als die Hälfte der geplanten Investition. Um Vögel zu schützen, wird ein Radarsystem installiert, das Zugvögel erkennt und eine Abschaltung der Windräder innerhalb von zehn Minuten nach der Warnung ermöglicht. Zudem wurden in einem mehr als 300 Kilometer breiten Korridor in der Region Windkraftanlagen verboten. Im Frühling überfliegen im Mittel mehr als 1000 Vögel pro Tag die Region.
El Zayt
Mit einer Leistung von 200 Megawatt wird El Zayt der größte Windpark sein, der jemals in Afrika im Rahmen eines Vorhabens der Entwicklungszusammenarbeit gebaut wurde.

Lebensretter: Das Radarsystem erkennt Vogelschwärme weit vor ihrer Ankunft an der Windkraftanlage und sorgt dafür, dass die Windräder rechtzeitig abgeschaltet werden.
Know-how ist die Basis
Im deutsch-arabischen Masterstudiengang REMENA können sich Ingenieure, Politikwissenschaftler, Juristen und Betriebswirte auf Jobs im Energiesektor spezialisieren. Sie brauchen ein abgeschlossenes Bachelor-Studium und mindestens ein Jahr praktische Erfahrung in einer Branche, die dem Master-Programm entspricht. Beteiligt sind die University of Cairo und die Universität Kassel. Durchgeführt wird der vom BMZ initiierte Studiengang vom Deutschen Akademischen Austausch-Dienst (DAAD).
REMENA
REMENA steht für Renewable Energy and Energy Efficiency for the Middle East and North Africa Region
Ohne Wasser keine Entwicklung

70 Prozent des Wassers weltweit verbraucht die Landwirtschaft. Aber auch für die Industrie ist Wasser ein wichtiger Rohstoff.
Wo Wind und Sonne im Überfluss vorhanden sind, fehlt oft nur eines: Wasser. Die MENA-Region ist eine der trockensten Gegenden der Welt. Klimawandel und Bevölkerungswachstum verschärfen das Problem, zusammen mit einer „beständigen Übernutzung der vorhandenen Ressourcen in der Landwirtschaft, noch zu hohen Verteilverlusten in den Trinkwasserleitungen und einer unzureichenden Abwasserentsorgung“, so Silke Stadtmann, Leiterin des KfW-Büros Marokko. Und laut einer aktuellen Studie der Umweltschutzorganisation WWF und der DEG wird der Mangel an Süßwasser nicht nur zu einem ökologischen, sondern auch zu einem ökonomischen Problem.
Um eine nachhaltige Versorgung für Bürger und Betriebe aufzubauen, engagieren sich KfW und DEG in fast allen MENA-Ländern. In Marokko saniert die Entwicklungsbank marode Leitungsnetze, genauso in den Palästinensischen Gebieten. In Tunesien laufen Projekte zur Grundwasserentsalzung, im Libanon zur Finanzierung von Kläranlagen. In Ägypten sorgen Stauwehre entlang des Nils dafür, dass Kleinbauern ihre Felder bewässern können.
Im besonders wasserarmen Jordanien wird Abwasser aus drei Großkläranlagen über Leitungen fast 900 Meter tief ins Jordantal geleitet. Dabei treibt es ein Kraftwerk an und produziert Strom für gut 15.000 Menschen. Anschließend können die Bauern ihre Pflanzen bewässern. Weil das Brauchwasser mehr Nährstoffe enthält, müssen sie zudem weniger düngen.
Studie
Der Word Wide Fund for Nature beziffert allein den ökonomischen Wert der Feuchtgebiete weltweit auf 70 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Ökologisch und sozial
Nordöstlich von Kairo hat Sekem Wüstenland für den kontrolliert biologischen Anbau erschlossen. Darüber hinaus investiert das Unternehmen in Bildung und Gesundheit seiner Mitarbeiter und deren Familien.
Zur WebsiteDass nachhaltige Entwicklung für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kein neues Schlagwort ist, zeigt das ägyptische Projekt SEKEM. Seit 34 Jahren wird hier ökologische Landwirtschaft betrieben, zugleich werden soziale Standards gesetzt. Dabei wird SEKEM seit über 20 Jahren von der KfW-Tochter DEG unterstützt. Die Mitarbeiter profitieren von den verschiedenen Angeboten wie medizinischer Versorgung, Schulausbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung sowie finanzieller Unterstützung zum Beispiel durch das Mikrokreditprogramm. Für SEKEM arbeiten nicht nur Ägypter, sondern auch Ausländer wie die Deutsche Angela Hofmann, die vor fast 30 Jahren mit 40 Allgäuer Kühen hierher kam.
SEKEM
Ibrahim Abouleish begann sein Projekt 1977 auf 70 Hektar Wüstensand, die in fruchtbaren Boden für biologisch-dynamische Landwirtschaft umgewandelt wurden.
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